HHE-Abteilwagen

Das hohe Personenverkehrsaufkommen veranlasste die HHE im Jahr 1906, nach zusätzlichen Wagen zu suchen. Weil die Waggonbaufirmen kurzfristig nicht liefern konnten, kaufte die HHE bei der Firma A. Renner, Fabrik für Eisenbahnbedarf, gegründet 1883 in Schönebeck an der Elbe und seit 1889 in Braunschweig ansässig, sechs gebrauchte Personenwagen, einer kam später hinzu. Die Fahrzeuge waren zu diesem Zeitpunkt bereits über 30 Jahre alt.

Fabrikschild der Firma Renner

Alle Wagen wurden in den 1930-er Jahren ausgemustert. Bekannt ist heute der Verbleib von drei Wagen. Zwei Wagenkästen befanden sich im Bf Naundorf bei Beesenstedt. Von Einem ist das Fabrikschild erhalten geblieben.

Der Andere war 2007 noch existent, Teile davon konnte der HHE e.V. als erstes Vereinsprojekt bergen. Eine Stirnwand sowie eine Einstiegstür wurden restauriert.

Aufsetzen einer restaurierten Stirnwand auf den neugebauten zweischaligen Fußboden                                        Foto: Wollenhaupt

Ein Wagenkasten, der ehemalige Wagen Nr. 51 oder Nr. 52, stand bis Juli 2023 in Lieskau. Er wurde 1931 im Ortsteil Waldheil in einem Garten auf ein Ziegelsteinfundament gesetzt, der Fahrwerkrahmen leider zuvor verschrottet. Zunächst als Wochenendwohnung genutzt, der Eigentümer besaß eine Metallbaufirma in Trotha, diente er nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlingen als Unterkunft. Später war er Abstellraum für Gartengeräte.

Am 21. Juli 2023 überführten wir den Wagenkasten in die HHE-Werkstatt nach Halle-Ammendorf.

Seine Aufarbeitung wird sich in mehrere Bauabschnitte untergliedern.

Geplant sind:

  • Aufarbeitung eines aus Sachsen vom HHE e.V. erworbenen Ersatz – Fahrwerkrahmens
  • Die Fahrwerkrahmen dieser Bauzeit bestanden außer den Stahlaußenträgern (Doppel-T), Verbindungswinkeln und Beschlagteilen aus Eichenholz, dieses muss größtenteils erneuert werden
  • Wiederherstellung von Laufwerk, Zug- und Stoßeinrichtungen und der mechanischen Spindelbremse
  • Aufarbeitung des Wagenkastens und Ersatz fehlender Teile – Neuanfertigung und Nutzung vorhandener Beschlagteile aus dem Naundorfer Wagenkasten

Von der Halle-Hettstedter Eisenbahn existieren nach heutiger Kenntnis nur vier Personenwagen: zwei davon befinden sich im Eigentum des Verkehrsmuseums Dresden, ein weiterer Baujahr 1897 im Eigentum des HHE e.V. und der hier vorgestellte Lieskauer Wagen. Er ist damit auch für die Industriekultur Sachsen-Anhalts ein historisch gesehen wertvolles Zeugnis.

Der HHE e.V. möchte den Wagen wieder rollfähig instand setzen und in den geplanten HHE-Museen in Lieskau und Gerbstedt ausstellen und vorführen.

Nach unserer Kenntnis gibt es deutschlandweit keinen rollfähigen Wagen dieser Gattung. Somit wäre er auch von hohem exemplarischen Wert. Einstmals waren diese Wagen in Nord-, Mittel- und Süddeutschland weit verbreitet.

In der Sonderausstellung zu 125 Jahren Halle-Hettstedter Eisenbahn im Stadtmuseum in Halle von Juni 2022 bis Januar 2023 wurde bereits auf dieses Projekt Bezug genommen.

In der Sonderausstellung zu 125 Jahren Halle-Hettstedter Eisenbahn im Stadtmuseum in Halle von Juni 2022 bis Januar 2023 wurde bereits auf dieses Projekt Bezug genommen.

Vollständig erhaltener Wagen im schwedischen Eisenbahnmuseum       Quelle: SverigJärnvägsmuseum