virtual-reality-Projekt Burg Wettin

Diese Projekt stellt eine Erweiterung der App Am Eisernen Band zur Geschichte der Region dar.

Die Burg Wettin an der Saale gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten in Mitteldeutschland. Sie gilt als der Stammsitz des gleichnamigen Herrschergeschlechts, das ununterbrochen von 1127 bis 1918 die Markgrafen von Meißen und später die Kurfürsten und Könige von Sachsen stellte. Konrad der Große, der als Begründer der politischen Macht der Wettiner gilt, führt den Fürstenzug, geschaffen zwischen 1872 und 1876 zur 800-Jahrfeier des Wettinischen Fürstenhauses, an der Außenseite des Stallhofes des Dresdner Residenzschlosses an.

Heute ist es nicht möglich, historische Innenräume in der Unterburg der Burg Wettin zu besichtigen. Deshalb entstand die Idee, Räume virtuell zu modellieren und mittels einer digitalen Brille für Besucher erlebbar zu machen.

Dafür wurde der Winckelturm ausgewählt, der 1606 an der Südostecke, möglicherweise auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Hausmannsturmes der Unterburg, errichtet wurde.

Die dreidimensionale Außenansicht des Turmes und der Unterburg, erstellt mit der Technik der Fotogrammetrie, entstand in Kooperation mit der Hochschule Harz. Herr Johannes Grünemeier, zu dieser Zeit Student des Fachbereichs Medienmanagement der Hochschule Harz, nahm mittels einer Drohne ca. 800 Fotos aus verschiedensten Blickwinkeln auf. Diese sind dann mit einer speziellen Software unter Bildung von ca. 14 Millionen Polygonen zu einem dreidimensionalen Modell zusammengesetzt worden. Das Modell kann hier angesehen werden.

Mit der virtuellen Erstellung zweier historischer Innenräume des Winckelturmes beauftragte der HHE e.V. die Firma UniGlow Entertainment aus Wernigerode.

UniGlow modellierte die ehemalige Kapelle und die ehemalige Türmerwohnung des Winckelturmes der Burg Wettin in der virtuellen Realität. Beide Räume wurden mit Mobiliar und Gegenständen, die mit den Wettinern in Verbindung stehen, so dem Altar aus dem ersten Hauskloster der Wettiner, dem ehemaligen Kloster in Gerbstedt, dem Sarkophag (das Original steht im Heimatmuseum in Gerbstedt) des Ahnherren der Wettiner, Rikdag, einer Ablasstruhe (das Original steht im Schloss Allstedt) mit Münzen der Wettiner und einer Lutherbibel von 1534 (das Original befindet sich in der Marienbibliothek in Halle) ausgestattet. Der Besucher kann beide Räume mit einer vr-Brille begehen. Es sind verschiedene Interaktionen möglich, so beispielsweise das Blättern in der Bibel.

Des Weiteren wurden Kugelpanoramen aus dem Winckelturm heraus fotografisch aufgenommen, die dem Besucher in der virtuellen Realität einen Blick durch die Fenster ins Saaletal gestatten (die Fenster können auch geöffnet werden).

In der Türmerwohnung befinden sich an deren Westwand sieben Gemälde mit den sechs bedeutendsten Wettinern und der Ehefrau Heinrich des Frommen. Tritt der Betrachter vor diese Ahnengalerie, werden die Personen lebendig und erzählen in einem ca. 18-minütigen Polylog die ca. 1000-jährige Geschichte des wettinischen Adelsgeschlechts. An zwei Drehtagen sprachen und spielten die Darsteller die vom Auftraggeber erstellten Texte ein. Für diese Filmaufnahmen wurden historische Kostüme ausgeliehen, die denen im Fürstenzug des Stallhofes des Dresdner Schlosses entsprechen. Dafür möchten wir dem Verein Der Fürstenzug Dresden e.V. aus Rochlitz/Mulde herzlich danken.

Die im Original nicht mehr sichtbare Ausmalung der Kapelle aus der Zeit der Renaissance konnte anhand einer Postkarte aus den 1930-er Jahren, welche die ursprüngliche Ausmalung zeigt, virtuell und in diesen Bereichen weitestgehend authentisch wiederhergestellt werden. Dazu fertigte der Künstler Hans-Christoph Rackwitz aus Zörnitz/Beesenstedt fünf großformatige Tuschezeichnungen an, die anschließend digitalisiert und danach auf die virtuellen Wände und das Kreuzgratgewölbe „geklebt“ wurden.

(c) H. Silchmüller, Postkarte Sammlung: Wiege der Wettiner e.V.
Hans-Christoph Rackwitz beim Zeichnen der Kapellenausmalung (c) Olaf Raabe

Zu erleben ist die vr-Animation zur Geschichte der Wettiner ab Mitte 2023 im Rathaus der Stadt Wettin unmittelbar neben der Burg. Für diese stationäre Variante wird das vr-Headset mit zwei Steuerelementen eingesetzt. Damit kann sich der Besucher im virtuellen Raum bewegen und die Animation mit sämtlichen Interaktionen nutzen.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Struktur- und Investitionsfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.